Konzept der Einrichtung


1. Die Institution „Jugendhaus Altes Kloster Marienberg“


Das Jugendhaus Altes Kloster Marienberg ist eine Jugendhilfe-Einrichtung mit insgesamt 10 Plätzen. Unser Angebot umfasst:
• 8 Plätze für Jugendliche/junge Volljährige in einer Intensivgruppe, incl. zwei Übungs-/Selbstversorgerapartments, nach § 34, § 35 a, § 41 SGB VIII, Betreuungsintensität 1:1,34;
• 2 Plätze für Jugendliche/junge Volljährige mit Intensivbetreuung in Appartements nach § 35 a, § 41 SGB VIII, Betreuungsintensität 1:1,67;
• 3 Plätze Sozialpädagogisch Betreutes Wohnen nach §§ 27, 34, 41 SGB VIII und in Ausnahmefällen nach § 35a SGB VIII.
Unser Träger ist der Verein „Jugendhaus Altes Kloster Marienberg e. V.“ mit Sitz in Übach-Palenberg. Der Name des Trägers und der Institution ist historisch bedingt durch die Nutzung des alten Klostergebäudes seit der Gründung 1973.
Wir bieten eine Werteorientierung nach christlichen Maßstäben. Die Jugendlichen erleben am Vorbild und Beispiel unseres erziehenden Kollegiums im Jugendhaus „Altes Kloster Marienberg“ Werte und Haltung.
 


2. Die Zielgruppe


Unsere Zielgruppe für den stationären Bereich sind männliche Jugendliche im Alter von ca. 14 bis 18 Jahren und junge Erwachsene, die z. B. aufgrund von Konflikten und Krisen in der Familie oder einer Überforderung des Familiensystems nicht zu Hause leben können oder als unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Deutschland sind. Darüber hinaus betreuen und begleiten wir Jugendliche aus den verschiedensten Gründen:


• Verwahrlosungstendenzen, Schulverweigerung (z. B. durch Schulversagen, Mobbing), Schulabstinenz
• delinquentes Verhalten (Diebstahl, Vandalismus etc.)
• Erfahrungen körperlicher und/oder seelischer Misshandlung und anderen Traumata
• Verhaltensauffälligkeiten, dissoziale Verhaltensweisen, Schwierigkeiten beim Knüpfen sozialer Kontakte und beim Gestalten von Beziehungen, Probleme bei der sozialen und/oder beruflichen Integration
• Entwicklungsverzögerungen, Lernstörungen
• Diagnostizierte Erkrankungen wie z. B. ADHS und AHS, FAS, Autismus (ICD 10: F 84.0) und Autismus-Spektrums-Störungen, Kleptomanie (ICD 10 F63.2)
• Täter im Bereich sexueller Missbrauch. Über eine Aufnahme entscheiden wir hier im Einzelfall, abhängig von der aktuellen Gruppenkonstellation und der Bereitschaft zur Therapie.

3. Aufnahmevoraussetzungen


Vor einer Aufnahme

• sichten wir die verfügbaren Berichte und Diagnoseunterlagen über die bisherige Geschichte und die Entwicklung des jungen Menschen,
• klären wir, ob der vorliegende Hilfebedarf abgedeckt werden kann und
• prüfen wir, ob eine Kostenzusage des zuständigen Jugendamtes bzw. der verantwortlichen Behörde vorliegt.
In einem Informations- und Kennenlerngespräch erhält der Jugendliche einen ersten Eindruck vom Jugendhaus und die Mitarbeiter des Jugendhauses haben ihrerseits die Möglichkeit einzuschätzen, ob er sich in die aktuelle Gruppe und Hausgemeinschaft integrieren kann.


Eine Aufnahme ist nicht möglich für
• Jugendliche mit stark einschränkenden psychischen Erkrankungen, wie z. B. akuten depressiven Verstimmungen, gepaart mit starken Rückzugs- und/oder suizidalen Tendenzen,
• akut drogenabhängige Jugendliche, die (noch) nicht bereit sind, dauerhaft abstinent zu leben,
• schwer geistig und/oder körperbehinderte Jugendliche, die einer speziellen Förderung oder Behandlung bedürfen sowie
• Jugendliche oder junge Volljährige, die durch die angebotenen Hilfen nicht erreichbar oder aus unserer Sicht nicht in unsere bestehenden Betreuungsformen zu integrieren sind.


4. Pädagogische Arbeit


Persönliche Situation

Jugendliche, die zu uns kommen, tragen deutliche Spuren ihrer bisherigen Lebensumstände. Sie zeigen zum Teil massive Auffälligkeiten und haben u.a. Schwierigkeiten, Kontakte zu knüpfen, zu halten, Beziehungen einzugehen und zu gestalten. Zudem befinden sich die Jugendlichen in der schwierigen Umbruchphase ihrer Pubertät. Die physischen und psychischen Veränderungen dieser Entwicklungsphase wirken sich zusätzlich erschwerend und belastend auf ihr Verhalten und ihre Gefühlswelt aus. Resilienz Qualitäten sind teilweise nur in geringem Maße vorhanden und sollten nachhaltig gestärkt werden.


Ankommen, Eingewöhnung und Bezugsbetreuung
Um diese krisenbehaftete Umbruchsituation bestmöglich zu meistern, bauen wir vom ersten Tag an ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen den Jugendlichen und den pädagogischen Mitarbeiter*innen auf.
In den ersten Wochen nach dem Einzug des Jugendlichen finden die „Bezugsbetreuertage“ statt. In dieser „Eingewöhnungstour“ fährt der Bezugsbetreuer mit dem Jugendlichen für 2-3 Tage z. B. in eine Jugendherberge in die Eifel oder ein Selbstversorger-Appartement an der holländischen Nordseeküste. Die Interessen und Fähigkeiten des Jugendlichen fließen hierbei in die Planung ein.
In dieser Zeit haben Jugendlicher und Betreuer*in Zeit und Gelegenheit, sich intensiv kennenzulernen, erste Aufgaben der gemeinsamen Arbeit zu planen, Wünsche und Erwartungen an die gemeinsame Zusammenarbeit in der Bezugsbetreuung über die Länge der gesamten Maßnahme hin zu formulieren und Formalia zu erledigen. Der Jugendliche erlebt dabei von Beginn an, dass wir ihm mit Interesse und Wertschätzung begegnen.


Erlebnispädagogische Qualitäten

Sportliche und erlebnispädagogische Aktivitäten haben in unserer Arbeit mit den Jugendlichen einen hohen Stellenwert und eine lange Tradition / Erfahrung. Im Jahresverlauf führen die pädagogischen Mitarbeitenden regelmäßig sportliche und erlebnispädagogische Angebote vor Ort und in der näheren Umgebung für die Gruppe durch, z. B. der 2- bis 3-tägige Marienberg Cup im Frühjahr mit Radtour, Bogenschießen, dem Erlernen und Einüben von Knotentechniken und einer Schatzsuche, ggf. mit Biwak. Die Jugendlichen können aber auch einzeln oder mit der Gruppe an Veranstaltungen anderer Jugendhilfeeinrichtungen teilnehmen (z. B. der „Skaternight“ in Wuppertal) oder an denen ortsansässiger Vereine und Interessengruppen (z. B. dem Schelleberg Fußball Cup: Ein Sommer-Wochenend-Turnier ortsansässiger Freizeitfußballmannschaften im Nachbarort). Besonders die Teilnahme am lokalen Vereinsleben unterstützen wir, um den Aufbau sozialer Kontakte außerhalb des Jugendhauses durch sinnvolle Freizeitgestaltung (wie z. B. ein sportliches Hobby) und damit die Integration in den Sozialraum zu fördern.


Dafür sind wir mit vielfältigen Materialien wie Kletterausrüstung, Mountainbikes, Kanus, Schnorchel-Ausrüstung, Neoprenanzüge, Skier, Snowboards etc. ausgestattet.


In den Oster- und Herbstferien findet jeweils eine einwöchige Maßnahme mit sport- und erlebnispädagogischen Schwerpunkten (z. B. Ski- und Snowboardfahren, Mountainbike-Touren, Kanutouren, Kletteraktionen, Wanderungen etc.) statt. Während der Sommerferien führen wir eine zwei- bis dreiwöchige Tour mit unterschiedlichen Angeboten aus dem Sport- und Freizeitbereich durch, z. B. in einem Zeltlager am Gardasee oder in Istrien/Kroatien oder in einem Selbstversorgerhaus auf einem Bauernhof am Bodensee.


Wir sehen in diesen Einzel- und Gruppenangeboten eine weitere wichtige Methode, um

• Neues an sich, bei den anderen Gruppenmitgliedern, bei den Mannschaftskameraden, in der Umgebung zu entdecken,
• sich neue Fähigkeiten anzueignen,
• Spaß zu haben,
• Beziehungen zu Gleichaltrigen und zu Erwachsenen aufzubauen,
• zu erleben, dass Beziehungen tragfähig sein können,
• selbstbewusst seine Argumente in die Gruppe einzubringen, konstruktiv streiten zu lernen und dadurch ein gesundes Selbstbewusstsein aufzubauen,
• erfahrbar zu machen, wie sich die eigenen Grenzen ausdehnen und erweitern,
• die Frustrationstoleranz zu erhöhen, z. B. durch Trainieren von Musterunterbrechungen
• den eigenen Körper und seine Fähigkeiten und Grenzen (positiv) zu spüren und zu erfahren, dass man sich auf ihn verlassen kann,
• Selbstwirksamkeit zu spüren und dadurch Erfolge zu erleben,
• Ausdauer und notwendige Disziplin (im Umgang mit Mensch und Material) zu erlernen und zu fördern,
• die eigenen Kräfte (z. B. Energieüberschuss) und Emotionen (z. B. Wut, Aggression, Frust) zu verstehen und sie bewusst und konstruktiv zu kanalisieren,
• akzeptierte Möglichkeiten zu erlernen, Spannungen abzubauen und Aggressionen (gegen sich und/oder andere) zu vermeiden oder abzubauen,
• den eigenen Kräften (z. B. Veränderungen/Wachstum des Körpers in der Pubertät) und Möglichkeiten (z. B. mehr Muskelmasse) vertrauen zu lernen,
• die Gruppenfähigkeit des Einzelnen auf- und auszubauen,
• einander mit Respekt und Geduld zu begegnen (z. B. in der gemeinsamen Sportmannschaft),
• ein dauerhaft gutes und tragbares Gruppensetting zu schaffen,
• die Beziehungen der Jugendlichen untereinander und zu den pädagogischen Mitarbeitenden zu festigen.


Kompetenzentwicklung

Unsere erlebnispädagogischen (Freizeit-)Aktivitäten und unsere bewusst gestaltete Hausgemeinschaft ermöglichen die besondere Lebensqualität im Jugendhaus. Das Einleben und die Integration neu ankommender Jugendlicher in die bestehende Gruppe und Hausgemeinschaft ermöglicht ihnen das Erlernen sozialer Kompetenzen und Werte wie Rücksicht, Toleranz, Konflikt- und Kritikfähigkeit etc. und trainiert diese. Dabei ist das Angebot von stabilen und tragfähigen emotionalen Muster-Beziehungen durch die pädagogischen Mitarbeiter ebenso ein entscheidender Unterstützungsfaktor wie das Angebot von Schutz, Sicherheit und Verlässlichkeit.


Im Sozialpädagogisch Betreuten Wohnen bereiten wir die Jugendlichen darüber hinaus auf ein selbständiges Leben vor, indem sie Alltagskompetenzen wie Kochen, Waschen, Körper- und Raumhygiene, Einkaufen, Verwaltung ihrer Finanzen, den Umgang mit Ämtern und Behörden etc. erlernen. Je nach Förderbedarf reicht die Begleitung, Anleitung und Unterstützung z. B. beim Kochen vom gemeinsamen Schreiben des Einkaufszettels über den begleiteten Einkauf bis hin zur Zubereitung der täglichen warmen Mahlzeit. Bei allen anderen o. g. Tätigkeiten verfahren wir analog.


Die Jugendlichen erfahren so eine schrittweise Verselbständigung, die sie perspektivisch befähigt, zu gegebener Zeit in ein Selbstversorger-Appartement innerhalb des Jugendhauses wechseln zu können, in dem sie sich weitestgehend selbst versorgen und erproben können.


Lokales Netzwerk für Bildung und Ausbildung
Durch die gute Vernetzung des Jugendhauses und die viele Jahre gepflegten Kontakte mit den ortsansässigen weiterführenden Schulen, den nahen Berufskollegs, den Förderschulen inkl. Schulbauernhof (für Schulverweigernde mit Förderschulbedarf) und den Schul- und Jugendwerkstätten (für Schulverweigernde und Jugendliche ohne Ausbildungs- und/oder Arbeitsperspektive) bestehen sehr gute schulische Integrationsmöglichkeiten. Die Vorgabe einer Alltags- bzw. Tagesstruktur erleichtert den Jugendlichen das und gibt ihnen Halt.


Wir halten regelmäßigen und intensiven Kontakt zu den (Klassen-)Lehrer*innen der Jugendlichen und streben einen vollumfänglichen Schulbesuch, eine aktive Teilnahme am Unterricht und die regelmäßige Erledigung von Hausaufgaben, eine Verbesserung der schulischen Leistungen, eine Versetzung in die nächste Klasse und letztendlich einen Schulabschluss an, der die Integration in die Arbeitswelt erleichtert.


Durch gezielte und individuelle Nachhilfe bauen die pädagogischen Mitarbeiter*innen bei den Jugendlichen Defizite und damit (Versagens-)Ängste ab. Diese erfahren stattdessen Erfolgserlebnisse und Selbstwirksamkeit. Die Jugendlichen erleben die pädagogischen Mitarbeitenden dabei als Partner, die ihm beim bis dahin oft mit Schwierigkeiten und Ängsten belasteten Aktionsfeld „Schule“ aktiv, motivierend, unterstützend und begleitend zur Seite stehen.


Durch die Unterstützung und Begleitung bei der Lehrstellensuche, während einer Berufsausbildung, Kooperation mit dem Betrieb/der Berufsschule/der Berufsfachschule können wir die Jugendlichen auch hier nachhaltig stabilisieren.


5. Strukturelle Bedingungen


Das Jugendhaus Altes Kloster Marienberg befindet sich im ehemaligen Klostergebäude der Ordensgemeinschaft (Oblaten) des Hl. Franz von Sales. Dieses vereint eine großzügige Anlage mit einer guten Anbindung an den Ort, die unsere Arbeit stark begünstigt: Die lange gepflegten guten Beziehungen zu benachbarten Betrieben ermöglichen ein breites soziales und berufliches Integrationsangebot und durch den nahegelegenen Bahnhof besteht eine sehr gute Verkehrsanbindung auch mit Bus und Bahn, z. B. nach Aachen, Mönchengladbach, Köln, Neuss, Düsseldorf und Düren.


Unser Raumangebot für die Gruppe umfasst:

• 6 Einzelzimmer, teilweise mit Waschbecken
• 4 Selbstversorger-Appartements, inkl. Küchenzeile und Nasszelle
• Küche
• Ess- und Aufenthalts- bzw. Gruppenraum
• Wohnzimmer
• 2 Toiletten und 2 Duschen
• Hauswirtschaftsräume (Vorratsraum, Vorratskeller, Putzkeller und Wäscheraum)
• Innenhof mit Tischtennisplatte und Boxsack
• Werkraum
• Fitnessraum
• Garten incl. Gartenhaus mit Sitzgelegenheiten
• Grillmöglichkeit
• Veranstaltungs- und Musikraum
• Besprechungs- und Besuchsraum
• Speicherraum zur Lagerung der Freizeitausrüstungen
• Materiallager incl. Bastelbedarf
• Büro
• Bereitschaftszimmer


Das zugehörige Grundstück von etwa 2500 m² besteht aus einer Wiese mit Obstbäumen sowie einem Zier- und Nutzgarten sowie einer Unterbringung für Fahrzeuge, Freizeitausrüstung etc.


6. Pädagogische Fachkräfte


Für die Arbeit innerhalb und außerhalb der Einrichtung steht unser Team aus Sozialarbeiter*innen, Sozialpädagog*innen und Erzieher*innen mit unterschiedlichsten Zusatzausbildungen und Fortbildungen (u. a. Erlebnispädagogik, Traumapädagogik, Sexualpädagogik, Master-NLP, CoolDown-Trainer, Gewaltprävention usw.) zur Verfügung. Weiterhin bieten wir eine Stelle für Erzieher*innen im Anerkennungsjahr und Praxissemester für Studierende der Sozialen Arbeit.
Fort- und Weiterbildungen für alle Mitarbeitenden sind wichtige Bestandteile der kontinuierlichen Qualifizierung und Kompetenzerweiterung unserer Arbeit. Darüber hinaus nehmen alle pädagogischen Fachkräfte an unserer monatlichen Supervision teil.


7. Pädagogisches Angebot


Wir arbeiten mit den Jugendlichen lösungs- und ressourcenfokussiert. Im Zentrum steht für uns der Einzelne, der individuell unter Berücksichtigung seiner Bedürfnisse, Fähigkeiten und Grenzen gefördert wird. Seine Ressourcen werden aktiviert und ausgeweitet und er wird dazu befähigt, Verantwortung für sich und sein Tun zu übernehmen und sich in unsere Hausgemeinschaft zu integrieren. Grundlage dafür ist der Hilfeplan mit den dort festgeschriebenen Zielen, die mit allen am Hilfeplan Beteiligten erarbeitet und regelmäßig überprüft und fortgeschrieben werden.


Ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit ist die Unterstützung während der Schul- und Ausbildungszeit. Deshalb legen wir besonderen Wert auf guten und kontinuierlichen Austausch mit Lehrer*innen, Ausbilder*innen und Berufsschullehrer*innen. Das ermöglicht eine individuelle Aufgaben- und Nachhilfe. Die Hausaufgabenbetreuung findet regelmäßig im Nachmittagsbereich statt. Zusätzliche fachbezogene Nachhilfe wird bei Bedarf regelmäßig angeboten.


Durch gute Beziehungen zu Handwerks-, Industrie- und Landwirtschaftsbetrieben, besonders in der näheren Umgebung, und durch enge Zusammenarbeit mit Arbeitsamt, JobCenter und anderen Institutionen können wir die Jugendlichen meist schon nach kurzer Zeit in ein Ausbildungs- oder Beschäftigungsverhältnis vermitteln. Bei bestehenden Lehr-, Anlern-, oder Beschäftigungsverhältnissen arbeiten wir eng mit den Betrieben und Ausbilder*innen zusammen und arbeiten auftauchende Probleme schnell auf.


Arbeitslosen Jugendlichen bieten wir durch sinnvolle Beschäftigungen in Haus und Garten eine Tagesstruktur. Das beinhaltet auch Pflege- und Instandhaltungsarbeiten, die die Bindung der Jugendlichen zur Einrichtung und zum pädagogischen Fachpersonal stärken, was dem Jugendlichen Sinnerfüllung bietet und sein Kompetenzfeld erweitert.


Die Jugendgruppe ist ein Trainingsfeld, um soziale Beziehungen und Verantwortungsbewusstsein auszuprobieren, zu erlernen und einzuüben. Also Mikrogesellschaft schärft sie die Kompetenzen der Jugendlichen, ihre eigene Rolle und Stellung darin zu finden. In diesem Geiste fördern und fordern wir die Jugendlichen auch bei der aktiven Mitgestaltung des Gruppenlebens in gemeinsamen Aktivitäten und Gesprächen. Das erleichtert und verstärkt das Erleben und Erlernen von Mitverantwortung. Ziel ist eine Übertragung auf das spätere, eigenverantwortliche Leben als Teil der Gesamtgesellschaft. Wir unterstützen die Jugendlichen auch darin, ihre eigenen Möglichkeiten, Grenzen und Perspektiven realistisch einzuschätzen und bestmöglich zu nutzen.


Die Entwicklung der eigenständigen Persönlichkeit fördern wir auf vielfältige Weise: Wir ermöglichen notwendige Freiräume, in der Fehler ihren Platz haben dürfen, verstärken positive Verhaltensweisen, zeigen konstruktive Handlungsstrategien auf und üben sie mit ihnen ein, vermitteln Kontakte nach außen, bieten Gestaltungshilfen für die Freizeit, ermutigen auch zur Gestaltung des eigenen Zimmers und zeigen nicht zuletzt sinnvolle Grenzen auf und sorgen für ihre Einhaltung. Dabei vermitteln wir den Jugendlichen, dass Fehler gemacht, verstanden und als Lernfeld genutzt werden können. Fehlerkultur ist Bestandteil unserer Kompetenzvermittlung. Resilienz Aufbau hat eine große Chance, weil Versuch, Irrtum und neuer Versuch im besten Sinne Resilienz entwickelt. Dazu machen wir ihnen täglich Mut!
Die Bezugsbetreuer*innen unterstützen aktiv und präzise diesen Entwicklungsprozess. Sie nutzen auch Biographiearbeit und Genogramm, um die persönliche Situation verstehen zu lernen und Wege in die eigene Zukunft zu konstruieren.


Ein weiteres Merkmal unserer Arbeit ist die gezielte praktische Anleitung z. B. im handwerklichen, hauswirtschaftlichen und gestalterischen Bereich. Renovierungen und Reparaturen werden gemeinsam von Mitarbeiter*innen und Bewohnern durchgeführt. Dadurch lernen die Jugendlichen größere Wertschätzung für das Inventar und die Behaglichkeit des Hauses. Außerdem kann sich so das Gefühl entwickeln, „zu Hause“ zu sein. Größere Vorhaben werden mit ehrenamtlichen Helfer*innen und Nachbar*innen durchgeführt. Zudem gibt es Räumlichkeiten und Werkzeuge für die Reparatur von Fahrrädern und Mopeds, die die Jugendlichen bei Bedarf nutzen können.


Wir bieten ihnen vielfältige Materialien und Werkzeuge, die die Begabungen und Neigungen der Jugendlichen fördern und ihnen Erfolgserlebnisse vermitteln können. Wir motivieren sie auch, Musik zu machen; Gitarren, Schlagzeug, Keyboard usw. stehen zur Verfügung, ebenso wie fachliches Know-How engagierter Ehrenamtler*innen. Wir bieten regelmäßig die Möglichkeit, bei Interesse das Erlernte auf Veranstaltungen im Haus darzubieten. Ebenso können die Jugendlichen in unserem Fitnessraum unter Anleitung mit geeigneten Trainingsgeräten Hantel- und Krafttraining betreiben.


Das Herkunftssystem, Eltern, Verwandte und sonstige Bezugspersonen, beziehen wir soweit möglich in den Hilfeprozess mit ein. Durch diese Zusammenarbeit wollen wir die bestehende Verantwortung der Sorgeberechtigten stärken, aufrechterhalten und dafür Sorge tragen, dass sie die Hilfeplanziele im Sinne des Jugendlichen mittragen und sie in Krisen sinnvoll und mit uns abgestimmt unterstützen. Bei Bedarf können interessierte Eltern ein externes Angebot in Form von Elterntraining o. ä. bei unserem Kooperationspartner in Absprache mit dem fallführenden Jugendamt in Anspruch nehmen.


8. Bildungsangebote im Umfeld


In Übach-Palenberg und der näheren Umgebung sind alle Schulformen (Grund-, Haupt-, Real-, Gesamt- und Förderschule, Gymnasium, VHS, Berufskollegs und Berufsfachschule) vorhanden und liegen in erreichbarer Nähe. Es gibt gute Bus- und Bahnverbindungen z. B. nach Aachen, Düren, Mönchengladbach, Neuss und Düsseldorf.
Für berufliche Praktika und ähnliches kooperieren wir mit kleineren Handwerksbetrieben sowie Industrie- und Lehrbetrieben kleiner und mittlerer Größe in der Nähe. Betriebe, Geschäfte und Schulen in Aachen können unsere Klienten mit einer 20-minütigen Bahnfahrt ebenfalls gut erreichen.
Für externe Angebote der Freizeitgestaltung arbeiten wir mit verschiedenen örtlichen Vereinen für Spiel und Sport zusammen; Schwimmbäder und Jugendtreffs sind ebenfalls in erreichbarer Nähe.


9. Zusammenarbeit mit anderen Institutionen


Bei Bedarf können wir weitere zusätzliche Hilfestellungen im ambulanten psychologischen und therapeutischen Bereich bieten. Hierfür pflegen wir gute Kontakte zu Beratungsstellen, Psychotherapeut*innen und Traumatherapeut*innen. Viele Fachärzt*innen haben ihre Praxis in nächster oder näherer Umgebung.
Bei Jugendlichen, die sexuell auffällig wurden, arbeiten wir eng mit einer Fachpraxis in Neuss zusammen, die über entsprechende Therapiemöglichkeiten verfügt. Eine Terminvereinbarung für ein erstes Vorstellungs- und Beratungsgespräch ist aufgrund unseres Netzwerks zeitnah möglich.


10. Betreuungsformen
• Jugendgruppe (integratives und intensives Angebot für männliche Jugendliche und junge Erwachsene): 8 Plätze (1:1,34)
• Selbstversorger-Appartements im Haus für stufenweises Selbständigkeits-Training: 2 Plätze
• Stationäre Betreuung: 2 Plätze (1:1,67)
• Sozialpädagogisch Betreutes Wohnen (SBW): 3 Plätze
• Ambulant Betreutes Wohnen: Nach Anforderung

 

Anhang: SGB VIII und XII


SBW (Sozialpädagogisch Betreutes Wohnen), Selbstversorger-Appartements und
Ambulantes Betreutes Wohnen


Neben der Heimgruppe als Hauptbetreuungsform besteht die Möglichkeit, im Rahmen des SBW (Sozialpädagogisch Betreuten Wohnens) Jugendliche und junge Volljährige außerhalb der Gruppe zu betreuen. Dieses Angebot ist ein weiterer Schritt zur Verselbständigung, der bei entsprechender Eignung des Klienten durchgeführt wird. Zeitpunkt, Art und Umfang wird im Hilfeplan vereinbart und festgeschrieben.


Die Ausstattung der Wohnung mit Möbeln und Einrichtungsgegenständen geschieht nach Abstimmung mit dem Jugendlichen/jungen Volljährigen. Bei der Einrichtung der Wohnung sind wir, soweit möglich, mit gespendetem Hausrat behilflich.


Da der Schritt in die eigene Wohnung außerhalb des Jugendhauses häufig eine Überforderung für den jungen Menschen darstellt, haben wir innerhalb des Hauses 2 Selbstversorger-Appartements eingerichtet. Dort können sie ihre Verselbständigung unter Beibehaltung der Bezugspersonen und des Wohnumfeldes eigenverantwortlich und individuell erproben, gleichzeitig wird einer Überforderung mit dem Risiko zu scheitern, vorgebeugt und der Prozess damit stabilisiert. Diese Form des selbständigen Wohnens kann auch zu einem sehr frühen Zeitpunkt im Hilfeplan festgelegt werden. Die individuell erforderliche Betreuung, die aufgrund des Entwicklungsstands des jungen Menschen notwendig ist, kann so gewährleistet werden (ggfs. mit Bereitschaft) und wird kontinuierlich mit dem jungen Menschen reflektiert, überprüft und angepasst. Faktoren wie mögliche Schulden oder frühere Straftaten werden selbstverständlich während des ganzen Prozesses berücksichtigt, um auch hier Wege und Lösungen zu entwickeln. Dabei und dadurch erhält er auch Feedback zu seinem tatsächlichen Entwicklungsstand.


Bei festgestelltem Bedarf können wir auch Betreuung z. B. in einer Wohnung des Jugendlichen/jungen Volljährigen anbieten (Ambulantes Betreutes Wohnen).


Maßgebend für Art, Inhalt und Umfang der Hilfe ist immer der tatsächliche Betreuungsbedarf, der in Hilfeplangesprächen erörtert, festgelegt und nach Fachleistungsstunden abgerechnet wird. Außer den Vergütungssätzen für Fachleistungsstunden fallen dabei auch die Sachkosten z. B. für Unterkunft, Verpflegung, Taschen- u. Kleidergeld an.


Wir bieten die Weiterbetreuung auch nach Überleitung an den LVR an, wenn dieser zuständig wird und eine solche Weiterbetreuung im Sinne einer gelingenden Verselbständigung indiziert ist. Dabei ist uns Transparenz und Zusammenarbeit mit allen beteiligten Stellen und Behörden wichtig.

 

© by JHAKM/Ines Tunovic/2021

 

 

Aktuell sind Plätze 

in unserer Jungenwohngruppe frei.

Sprechen Sie uns gerne an!

(Stand 15.04.2021)

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